Betriebsunterbrechung von Trinkwasseranlagen

Ob durch Corona-bedingt Auflagen oder aufgrund von vorhersehbaren Betriebsunterbrechungen – die Schließungen von öffentlichen und privaten Gebäuden und der dadurch verbundene Stillstand der Gebäudenutzung sind allgegenwärtige Themen.

Bevor eine Trinkwasser-Installation außer Betrieb genommen wird, sollte abgewogen werden, inwieweit eine Simulation des bestimmungsgemäßen Betriebs sinnvoller erscheint. Hierzu gibt die  VDI/DVQST EE 3810 Blatt 2.1 im Abschnitt „Änderung der Betriebsweise“ konkrete Hinweise zur Durchführung.

Simulation des bestimmungsgemäßen Betriebs

Wird der bestimmungsgemäßen Betrieb simuliert (72h Regel), sind hierbei die Gleichzeitigkeiten in der Nutzung der Entnahmestellen zu berücksichtigen, um für eine ausreichende Strömungsgeschwindigkeit (turbulente Strömung) innerhalb der Rohrleitungen zu sorgen. Unabhängig davon, ob die Trinkwassererwärmungsanlage sich in Betrieb befindet, oder abgeschaltet wurde, sind die Zirkulationspumpen im Dauerbetrieb weiter zu betreiben.

Außerbetriebnahme

Der Abschnitt „Vorübergehende Außerbetriebnahme von Trinkwassererwärmungsanlagen“ teilt sich in dezentrale und zentrale Trinkwassererwärmer auf. Hier finden sich Hinweise zur Vorgehensweise, wie z.B. das Ausspülen des Warmwassers in den Speichern durch kaltes Wasser, um ein langsames Auskühlen in einem für Legionellen günstigen Temperaturbereich zu vermeiden. Die Zirkulationspumpe bleibt eingeschaltet, bis auch hier das PWH vollständig gegen PWC ausgetauscht wurde.

Wiederinbetriebnahme

Die Maßnahmen zur Wiederinbetriebnahme orientieren sich an der Dauer der Außerbetriebnahme – jeweils bis max. 7 Tage, bis 4 Wochen, bis 6 Monate und von mehr als 6 Monaten. Die Maßnahmen reichen dabei von Wasseraustausch an allen Entnahmestellen über Spülen der Anlage nach dem DVGW-Arbeitsblatt W 557 (A) bis zu ergänzenden mikrobiologischen Untersuchungen auf die jeweils empfohlenen Parameter.

Der Unterschied zwischen einem Wasseraustausch und einer Spülung besteht u. a. darin, dass bei der Spülung Warm- und Kaltwasserleitungen separat gespült werden und Strahlregler oder Duschköpfe entfernt werden, um Fließgeschwindigkeiten zu gewährleisten.

Trinkwassererwärmer

Bei Anlagen mit zirkulierendem System sind zuerst Trinkwassererwärmer komplett zu erhitzen, bevor nach Erreichen der Solltemperatur im Trinkwassererwärmer die Zirkulationspumpe eingeschaltet wird. Erst bei Erreichen der Temperaturen von 60 °C am Ausgang des Trinkwassererwärmers und 55 °C am Eingang sind im dritten Schritt die peripheren Entnahmestellen mit PWH bis zur Temperaturkonstanz zu spülen. Letzteres gilt so auch für die dezentralen Trinkwassererwärmer. Dabei sollte der Regler am dezentralen Trinkwassererwärmer auf die maximal verfügbare Temperatur-Einstellung eingestellt werden.

Weitere Maßnahme

Hierzu gehört das Inspizieren von Feinsieben, Eckventilen, Rückflussverhinderern und Verbrühschutz-Vorrichtungen, da nach Spülmaßnahmen mit gelösten Stoffen zu rechnen ist, die sich hier ansammeln. Bei leitungsgebundenen Kaffeemaschinen oder Trinkwasserspendern sind die Hersteller in der Pflicht, detaillierte Vorgaben zur Wiederinbetriebnahme nach längeren Stillstandzeiten anzugeben. Vorfilter und Wasserbehandlungseinheiten solcher Geräte sind i. d. R. nach einer Stillstandsphase auszutauschen. Auch zentrale Wasserbehandlungsanlagen, insbesondere Ionentauscher, sind nach einer vorübergehenden Außerbetriebnahme zu inspizieren und mindestens zu regenerieren.

Betriebsunterbrechung von Trinkwasseranlagen

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Alexander Wolf

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